Flexible Arbeitszeiten – Vorteile, Modelle & gesetzliche Regelungen im Überblick

Gleitzeit, Homeoffice & Co. Die Debatte um flexible Arbeitszeitmodelle gibt es schon lange, doch spätestens seit der Corona-Krise wurde sie wieder neu entfacht. Wir haben die Vorteile des flexiblen Arbeitens, die unterschiedlichen Modelle und die gesetzlichen Regelungen, die beachtet werden müssen, zusammengefasst.

Flexible Arbeitszeiten – Vorteile, Modelle & gesetzliche Regelungen im Überblick

Warum sind flexible Arbeitszeiten wichtig? – 5 Gründe für flexible Arbeitszeiten

Unternehmen unterschätzen oftmals die Vorteile flexibler Arbeitszeiten, denn von mehr Flexibilität profitieren nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Arbeitgeber selbst. Welche Gründe u.a. für flexibles Arbeiten sprechen, haben wir nachfolgend aufgeführt:

  • Steigerung des Serviceangebots & Ausdehnung der Öffnungszeiten

    Mit Hilfe flexibler Arbeitszeiten können Unternehmen ihren Kunden besseren Service bieten. Denn die Ausdehnung der Öffnungszeiten oder die Ausweitung der Erreichbarkeit des Kundenservices kann zu einer besseren Kundenzufriedenheit führen und macht das Unternehmen zudem wettbewerbsfähiger gegenüber direkten Konkurrenten.

  • Schwankungen der Arbeitsbelastung ausgleichen

    Wer seine Mitarbeiter flexibel arbeiten lässt, kann auch als Unternehmen flexibler agieren und je nach Arbeitsaufwand und Auftragslage besser reagieren. Steht viel Arbeit an, können die Mitarbeiter in Ausnahmefällen auch mal länger arbeiten und die Mehrarbeit später bspw. durch freie Tage ausgleichen, wenn die Auftragsbücher gerade nicht prall gefüllt sind.

  • Steigerung der Mitarbeitermotivation

    Wer seine Arbeit flexibler gestalten und somit selbstbestimmter arbeiten kann, ist meist auch motivierter. Das bietet auch Arbeitgebern einen entscheidenden Vorteil, denn motivierte Mitarbeiter sind produktiver und weniger krank. Im Artikel „Wie Mitarbeiter motivieren – Die drei besten Tipps zur Mitarbeitermotivation“ haben wir weitere Tipps für mehr Motivation am Arbeitsplatz zusammengefasst.

  • Vorteile im Recruiting

    Wer flexible Arbeitszeiten bietet, hat meist auch die Nase vorne, wenn es um das Gewinnen neuer Mitarbeiter geht. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse nach mehr Flexibilität im Beruf und einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit & Familie stark angestiegen. Wer als Arbeitgeber auf die neuen Bedürfnisse der Bewerber eingeht, hebt sich im Recruiting positiv von der Konkurrenz ab.

  • Reduzierung von Stress

    Feste Arbeitszeiten fördern Stress, während flexible Arbeitszeiten dafür sorgen, dass dieser reduziert wird. Arbeitnehmer, die nicht um Punkt 8 Uhr am Arbeitsplatz sein müssen, können auch gelassener in den Arbeitstag starten, wenn der Berufsverkehr den Weg zur Arbeit gezwungenermaßen um 30 Minuten verlängert. In unserem Artikel „Was ist Resilienz“ gibt ein Experte weitere Tipps, wie Stress am Arbeitsplatz verringert werden kann.

Fazit: Warum sind flexible Arbeitszeiten heutzutage enorm wichtig?

Durch den Eintritt der jüngeren Generationen in die Arbeitswelt haben sich auch die Bedürfnisse der Arbeitnehmer verändert. Deshalb werden ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung im Berufsalltag immer wichtiger. Arbeitgeber müssen sich davon verabschieden, dass ihre Mitarbeiter „leben, um zu arbeiten“ und sich darauf einlassen, dass ihre Angestellten mehr Freiräume und selbstbestimmtes Arbeiten einfordern. Flexible Arbeitszeiten sind dabei ein wichtiger Schritt, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig bieten sie auch Unternehmen selbst entscheidende Vorteile.

Was versteht man unter flexiblen Arbeitszeiten?

Unter flexiblen Arbeitszeiten versteht man Arbeitszeitlösungen, die von den gewöhnlichen Arbeitszeiten (der sogenannten Normalarbeitszeit), abweichen. Die Abweichung kann sich dabei sowohl auf die zu leistenden Arbeitsstunden, den Arbeitsort oder auf die Vertragsdauer des Arbeitsvertrages beziehen. Unter einer „Normalarbeitszeit“ wird eine Vollzeitbeschäftigung (35-40 Arbeitsstunden/Woche) verstanden, die in der Regel auf fünf feste Werktage aufgeteilt ist. Kann mindestens einer der drei genannten Faktoren dauerhaft verändert werden, spricht man von flexiblen Arbeitszeiten.

Welche flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es?

Gerade in den letzten Jahren wurde die Diskussion um flexible Arbeitszeitmodelle wieder lauter, da sich gerade die jungen Generationen mehr Flexibilität im Berufsleben wünschen. Viele Arbeitgeber haben dies bereits erkannt und neue Arbeitszeitmodelle in den Unternehmensalltag integriert. Nachfolgend haben wir die gängigen flexiblen Arbeitszeitmodelle zusammengefasst.

Gleitzeit

Gleitzeitmodelle bestehen meist aus einer Kernarbeitszeit und einer flexiblen Zeitspanne. Bei der Gleitzeit profitieren die Mitarbeiter davon, dass sie den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende selbst bestimmen können. Damit trotz Gleitzeit die Erreichbarkeit gewährleistet werden kann, besteht während der Kernarbeitszeit in der Regel Anwesenheitspflicht. Liegt diese bspw. bei 10 bis 15 Uhr, müssen Arbeitnehmer spätestens um 10 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen und diese frühestens um 15 Uhr beenden. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern im Rahmen der Gleitzeit zudem die Möglichkeit, die täglichen Arbeitsstunden flexibel zu wählen. Wichtig ist nur, dass die vertraglich festgelegte Stundenanzahl eingehalten wird. Mit Hilfe elektronischer Zeiterfassungssysteme können die Arbeitsstunden bei Gleitzeitmodellen unkompliziert erfasst werden.

Gleitzeit bei Teilzeit?

Grundsätzlich können auch Mitarbeiter in Teilzeit Gleitzeit in Anspruch nehmen. Wichtig ist aber, dass die Kernarbeitszeit entsprechend an die reduzierten Arbeitsstunden angepasst wird.

Wichtig: Urteil des EuGH zur Arbeitszeiterfassung 

Schon vor dem EuGH Urteil im Mai 2019 waren Arbeitgeber in Deutschland dazu verpflichtet, Überstunden, die über die vereinbarte werktägliche Arbeitszeit hinausgehen, aufzuzeichnen (§16 des Arbeitszeitgesetzes). Die Nachweise über die Mehrarbeit müssen dabei mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Laut dem europäischen Urteil muss diese Aufzeichnung aber jetzt schon ab der ersten Arbeitsstunde erfolgen, d.h. es muss die gesamte Arbeitszeit dokumentiert werden. Dafür sollen Arbeitgeber aller europäischen Mitgliedsstaaten ein „objektives, verlässliches und zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung“ im Unternehmen einführen. Viele Arbeitgeber sahen nach dem EuGH Urteil zunächst den deutschen Gesetzgeber zum Handeln verpflichtet, um eine eindeutige Regelung zur Arbeitszeiterfassung festzulegen. Das Arbeitsgerichte Emden hat im Februar 2020 einen Arbeitgeber verurteilt, weil er der Pflicht der Aufzeichnung der Arbeitszeiten nicht nachgekommen sei. Das deutet darauf hin, dass die Gerichte nicht auf die Gesetzgebung warten und Arbeitgeber sich zeitnah um ein System zur Zeiterfassung kümmern sollten.

Teilzeit

Unter Teilzeitarbeit versteht man eine verkürzte Arbeitszeit von der ursprünglich betrieblich vereinbarten Regelarbeitszeit. Innerhalb der Teilzeitarbeit gibt es zudem zahlreiche Varianten, wie die verkürzte Arbeitszeit aufgeteilt wird. Von der klassischen Halbtagsarbeit über einzelne fixe Arbeitstage in der Woche bis hin zu einer Arbeitswoche gefolgt von einer Woche Freizeit ist alles möglich.

Homeoffice/Telearbeit

Arbeiten Mitarbeiter im Homeoffice, auch Telearbeit genannt, erledigen sie ihre Aufgaben nicht im Unternehmen, sondern von einem anderen Arbeitsplatz aus. Mitarbeiter, die dieses Modell regelmäßig anwenden, richten sich meist einen zusätzlichen Heimarbeitsplatz in ihrer Wohnung ein. Regelungen, wann und wie oft Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten dürfen, hängt individuell vom Unternehmen ab. Zum Teil gibt es feste Regelungen, z.B. dass ein Tag pro Woche im Homeoffice gearbeitet werden kann, zum Teil sind die Mitarbeiter aber auch komplett frei und flexibel, wann sie von zuhause aus arbeiten möchten. In manchen Fällen werden auch komplette sogenannte „Remote Arbeitsplätze“ angeboten. Das bedeutet, dass der Mitarbeiter seine komplette Arbeitszeit außerhalb des Unternehmens verbringt und arbeiten kann, wo er möchte.
Voraussetzung, damit die Arbeit im Homeoffice funktioniert, ist meist eine gute Internetverbindung sowie eine moderne Informations- und Kommunikationstechnologie. Tools wie Microsoft Teams, Slack oder Zoom stellen z.B. sicher, dass die Mitarbeiter ausreichend miteinander kommunizieren und problemlos virtuelle Meetings durchführen können.

Wichtig: Auch im Homeoffice müssen Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Sensible Daten sollten daher nicht unbeaufsichtigt am Küchentisch herumliegen, sondern angemessen aufbewahrt werden.

Darf ich im Homeoffice zwischendurch anderen Tätigkeiten, wie bspw. Wäsche aufhängen, nachgehen?


Private Tätigkeiten während der Arbeitszeit sind grundsätzlich nicht erlaubt. Dennoch müssen auch im Homeoffice die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen am Arbeitsplatz eingehalten werden. Während der Pause ist also auch Wäsche aufhängen oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft drin. Wichtig ist jedoch, dass dies nicht als Arbeitszeit gilt und bei längeren Auszeiten diese Zeit nachgearbeitet werden muss.

Homeoffice in der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat die Arbeit im Homeoffice neu befeuert und gezeigt, dass Telearbeit plötzlich auch in Unternehmen möglich ist, die es zuvor abgelehnt hatten. Laut der Unternehmensberatung Accenture beschäftigen sich viele Arbeitgeber aktuell sogar mit einem dauerhaften Homeoffice-Angebot. In vielen Büros könnten bspw. die empfohlenen Corona-Maßnahmen nicht eingehalten werden können, wenn zeitgleich wieder 100 Prozent der Belegschaft ins Büro zurückkehren würde. Daher arbeiten viele Unternehmen bereits an einer Lösung, das Arbeiten im Homeoffice langfristig in die Unternehmenskultur zu integrieren. Digitalunternehmen, wie bspw. Twitter, haben bereits verkündet, dass ihre Mitarbeiter dauerhaft die Möglichkeit zur Telearbeit haben.

Essenszuschuss trotz Homeoffice und geschlossenen Kantinen

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Vertrauensarbeitszeit

Die Vertrauensarbeitszeit ist ein sehr flexibles Arbeitszeitmodell. Hier steht nicht zwingend die Arbeitszeit, sondern vielmehr das Erledigen von Aufgaben und Erreichen von Zielen im Vordergrund. Die Mitarbeiter bestimmen daher selbst, wann sie ihre Arbeit beginnen und beenden. Der Arbeitgeber vertraut, wie der Name bereits sagt, darauf, dass sich die Mitarbeiter die Arbeitszeit so aufteilen, dass die Ziele erreicht werden. Die im Arbeitsvertrag festgelegte Arbeitszeit dient aber dennoch als Grundlage, da auch gesetzliche Vorgaben zur Arbeitszeit eingehalten werden müssen. Arbeitgeber, die Vertrauensarbeitszeit anbieten verzichten meist auf eine Zeiterfassung. Aufgrund des EuGH Urteils sollte aber zukünftig trotz Vertrauensarbeitszeit nicht auf die Arbeitszeiterfassung verzichtet werden. Zudem können bei fehlenden Aufzeichnungen unter Umständen auch keine Überstunden vergütet werden.

Teamorientierte Arbeitszeit

Bei einer teamorientierten Arbeitszeit plant das Team gemeinsam die individuellen Arbeitszeiten aller Teammitglieder. So können bspw. persönliche Bedürfnisse beachtet und die Arbeitszeiten optimal im Team aufgeteilt werden.

Jobsharing

Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehrere Arbeitnehmer sowohl eine Arbeitsstelle als auch die Vergütung. Es handelt sich also um eine spezielle Form der Teilzeitarbeit. Die genauen Anwesenheiten der Mitarbeiter können dabei individuell festgelegt werden. Teilen sich bspw. zwei Mitarbeiter eine Stelle, können diese entweder gleichzeitig oder auch nacheinander arbeiten. Auch die Anzahl der Arbeitsstunden kann variieren und muss nicht identisch aufgeteilt werden. Wie das Jobsharing genau gestaltet wird, hängt folglich ganz individuell von der Stelle bzw. den Anforderungen des Jobs ab. Durch den Einsatz von Jobsharing ermöglichen Arbeitgeber auch Mitarbeitern in Teilzeit, an großen Projekten mitzuarbeiten oder Führungspositionen zu übernehmen.

Arbeitszeitkonten

Der Einsatz von Arbeitszeitkonten stellt auch eine Möglichkeit flexiblen Arbeitens dar. Dabei werden die gearbeiteten Stunden genau dokumentiert und folglich sowohl Überstunden als auch Minusstunden festgehalten. Je nach Arbeitslast können die Mitarbeiter dann Stunden aufbauen oder wieder abbauen bzw. die Minusstunden nachholen. Für die Dokumentation eignen sich vor allem elektronische Systeme zur Zeiterfassung, die oft auch mobil per App genutzt werden können. Dort wird die durchschnittliche Wochenarbeitszeit hinterlegt, sodass das System automatisch ermittelt, wie viele Über- oder Minusstunden der Mitarbeiter gerade hat. Wie die Arbeitsstunden letztlich dokumentiert werden, bleibt jedoch dem Arbeitgeber überlassen. Theoretisch kann dies auch handschriftlich in Form einer Liste erfolgen, digitale Systeme sind jedoch meist mit wesentlich weniger Verwaltungsaufwand verbunden. Das Entgelt bleibt bei der Nutzung von Arbeitszeitkonten in der Regel konstant, unabhängig davon, ob der Mitarbeiter in einem Monat mehr oder weniger als die vereinbarten Stunden gearbeitet hat.

Vorsicht bei Überstunden:
Trotz Arbeitszeitkonto müssen Arbeitgeber und -nehmer das Arbeitszeitgesetz beachten. Dort sind alle Regelungen zu Arbeits- und Ruhezeiten festgelegt. So dürfen Mitarbeiter bspw. die maximale, tägliche Arbeitszeit von 10 Arbeitsstunden nicht überschreiten. Nur in Ausnahmefällen kann diese Grenze ausgeweitet werden.

Verschiedene Ausführungen von Arbeitszeitkonten

Im Rahmen von Arbeitszeitkonten haben sich verschiedene Varianten herausgebildet. Es wird dabei meist zwischen Kurzzeit- und Langzeitkonten unterschieden. Im Nachfolgenden haben wir drei verschiedene Möglichkeiten von Arbeitszeitkonten näher beschrieben.

Lebensarbeitszeitkonto

Als Lebensarbeitszeitkonto wird eine bestimmte Form des Arbeitszeitkontos verstanden. Während bei gewöhnlichen Arbeitszeitkonten wie Gleitzeitkonten (Kurzzeitkonten) die Mehrarbeit meist innerhalb eines Jahres abgebaut werden muss, kann bei einem Lebensarbeitszeitkonto über einen längeren Zeitraum hinweg Zeit „angespart“ werden, um später von einer längeren Freistellung oder Teilzeitarbeit zu profitieren. Möglich ist dann bspw. der frühere Eintritt in die Rente, ein Sabbatical, ein Bildungsurlaub oder Eltern- bzw. Pflegezeit. Der Vorteil dabei ist, dass der Mitarbeiter weiterhin offiziell beim Unternehmen beschäftigt ist, d.h. der Arbeitgeber übernimmt wie zuvor die Anteile der Sozialversicherungsbeiträge.

Jahresarbeitszeitkonto

Bei dem Modell der Jahresarbeitszeit gibt es weder eine vereinbarte Wochen- noch Monatsarbeitszeit. Das heißt die Arbeitszeit kann ganz flexibel je nach Auftragslage und aktuellem Arbeitsumfang bestimmt werden. Arbeitgeber können so bspw. saisonale Schwankungen besser ausgleichen. Entscheidend sind am Ende nur die Arbeitsstunden, die innerhalb des gesamten Jahres geleistet wurden. Im Jahresdurchschnitt müssen die festgelegten Arbeitsstunden also mit den tatsächlich geleisteten Überstunden übereinstimmen. Das Entgelt bleibt in der Regel über das gesamte Jahr hinweg identisch, unabhängig von den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden.

Sabbatical

Sabbaticals zählen derzeit vor allem bei den jüngeren Generationen zu den beliebtesten Modellen, wenn es um flexible Arbeitszeiten geht. Es handelt sich dabei um eine längerfristige Freistellung, die meist über einen Zeitraum von vier Wochen bis zu einem Jahr andauert. Ziele oder Motive für ein Sabbatical können ganz unterschiedlich sein. Oft möchten Mitarbeiter diese Zeit nutzen, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln oder sich in bestimmten Bereichen weiterzubilden. Hinsichtlich des Entgelts während eines Sabbaticals gibt es keine einheitlichen Regelungen. Mitarbeiter können in dieser Zeit z.B. auf einen Teil des Lohns verzichten, die freie Zeit des Sabbaticals durch ein Lebensarbeitszeitkonto „ansparen“ oder unbezahlten Sonderurlaub in Anspruch nehmen. Bei letzterem wird das Arbeitsverhältnis jedoch für den Zeitraum des Sabbaticals ausgesetzt, sodass der Mitarbeiter die Sozialversicherungsbeiträge selbst übernehmen muss. Bezieht der Angestellte weiterhin Lohn, ist er auch weiterhin über den Arbeitgeber versichert.

Unbegrenzter Urlaub

Viele Arbeitnehmer träumen davon, vom unbegrenzten Urlaub. Und gerade in der modernen Startup-Szene gehört diese Form des flexiblen Arbeitens nicht mehr zur Seltenheit. Angestellte können sich also immer Urlaub nehmen, wenn ihnen danach ist. Das funktioniert aber meist nur mit einem passenden Team, das aus verantwortlichen Mitarbeitern besteht, welche die eigenen Kollegen nicht hängen lassen und das Modell des unbegrenzten Urlaubs nicht ausnutzen. Arbeitgeber können aber durchaus davon profitieren, denn unbegrenzter Urlaub bedeutet mehr Selbstbestimmung und folglich auch motiviertere Mitarbeiter. Wer unter viel Stress steht und folglich sowieso nicht mehr zu 100 Prozent leistungsfähig ist, kann sich spontan eine Auszeit gönnen und dann wieder mit mehr Elan und erholt an den Arbeitsplatz zurückkehren. Wichtig bei diesem Modell ist jedoch, dass es zusätzliche Regelungen gibt, die bspw. vorgeben, dass immer ein Mitarbeiter einer Abteilung erreichbar sein muss oder bestimmte Zeiträume für spontane Urlaubstage tabu sind.

Flexible Arbeitszeiten – rechtliche Bestimmungen

Ohne eine gesetzliche Grundlage dürfen Arbeitgeber keine Arbeitszeitkonten nutzen. Vereinbarungen zur Einführung bzw. Nutzung von Arbeitszeitkonten können jedoch im Arbeitsvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder in den tariflichen Bestimmungen festgelegt werden.

Flexible Arbeitszeiten im Arbeitsvertrag

Wer als Unternehmer die Einführung von Arbeitszeitkonten in den Arbeitsvertrag aufnimmt, sollte darauf achten, dass mindestens der maximal zulässige Ausgleichszeitraum explizit aufgeführt wird. Aufgrund des Transparenzgebots für arbeitsvertragliche Formularklauseln, sollte diese Angabe zwingend im Vertrag mit aufgenommen werden. Gibt es grundsätzliche betriebliche Regelungen zur flexiblen Arbeitszeit, ist es in der Regel ausreichend, darauf Bezug zu nehmen.

Flexible Arbeitszeiten – Regelungen im Arbeitsschutz- und Mindestlohngesetz

Flexible Arbeitszeiten sind auch immer nur so flexibel wie es der Gesetzgeber zulässt. Deshalb müssen trotz flexibler Modelle auch immer die Regelungen im Arbeitsschutzgesetz (ArbZG) und Mindestlohngesetz (MiLoG) beachtet werden. So gibt das ArbZG bspw. Grenzen für die maximale Anzahl an Überstunden vor. Im MiLoG ist wiederum geregelt, dass Mitarbeiter, die Mindestlohn erhalten, nicht mehr als 50 Prozent der vertraglich geregelten Arbeitszeit übersteigen dürfen. Wird diese Grenze überschritten hat der Mitarbeiter Anspruch darauf, dass diese Arbeitsstunden zusätzlich vergütet werden (§ 2 Abs. 2 Satz 3 MiLoG).

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