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Betriebliche Altersvorsorge durch Arbeitgeber: Wie funktioniert die Betriebsrente?

von | Feb 1, 2022 | Mitarbeitermotivation

Was ist eigentlich betriebliche Altersvorsorge, wie genau funktioniert die Betriebsrente? Wer hat Anspruch darauf, wer zahlt die betriebliche Altersvorsorge, wie hoch ist die bAV und wie wird die betriebliche Rente versteuert? Alles Wichtige rund um die Altersvorsorge vom Arbeitgeber erfahren Sie hier – von Entgeltumwandlung über Durchführungswege, Vorteile und die Arbeitgeber Pflicht.

Was ist betriebliche Altersvorsorge?

Wer seine Altersversorgung sichern möchte, setzt am besten auf mehrere Säulen und nicht allein auf die gesetzliche Rente. Mit der betrieblichen Altersvorsorge, auch bAV oder Betriebsrente genannt, können Arbeitnehmer staatlich gefördert eine zusätzliche Rente aufbauen – mit Unterstützung des Arbeitgebers oder ohne.

Es gibt mehrere Modelle der betrieblichen Altersvorsorge. Allen gemeinsam ist, dass während der Ansparphase Arbeitgeber wie Arbeitnehmer von Steuervorteilen profitieren. Im Ruhestand als Rentner muss der Arbeitnehmer die ausbezahlte Betriebsrente allerdings voll versteuern.

Der Arbeitgeber kann mit seinen Beitragszahlungen entweder die Altersversorgung, also eine lebenslange Rente, eine Hinterbliebenenversorgung beim Tod des Versicherten für Ehe- bzw. Lebenspartner oder eine Invaliditätsversorgung bei Berufsunfähigkeit unterstützen.

Dazu können Unternehmen aus fünf Varianten, den sogenannten Durchführungswegen, wählen:

  • Pensionskasse: wird getragen von einem oder mehreren Unternehmen; die Pensionskasse bezahlt Leistungen als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan aus
  • Pensionsfond: unterliegt weniger strengen Restriktionen als Lebens- und Rentenversicherungen und kann am Aktienmarkt Renditechancen nutzen
  • Direktversicherung: Per Einzel- oder Gruppenvertrag schließt der Arbeitgeber hier eine Lebensversicherung für den Arbeitnehmer ab
  • Unterstützungskasse: Die Beiträge des Arbeitgebers fließen an die Unterstützungskasse (eine eigenständige Einrichtung, meist ein Verein), die wiederum die Versorgungsleistungen erbringt
  • Direkt- oder Pensionszusage: Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer bei Eintritt in die Rente die vereinbarte Leistung direkt aus

Wer hat Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge vom Arbeitgeber?

Alle Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Renten­versicherung pflichtversichert sind, haben Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung. Dazu gehören:

  • fest angestellte und befristet angestellte Mitarbeiter
  • Teilzeitkräfte
  • Azubis
  • Minijobber
  • Führungskräfte

Steuern sparen durch Entgeltumwandlung

Vom Lohn bzw. Gehalt des Arbeitnehmers geht für die bAV monatlich ein festgelegter Betrag ab. Diesen Betrag kann der Arbeitgeber komplett alleine finanzieren. Oder er teilt sich die Abgabe mit dem Arbeitnehmer; dann geht monatlich ein Teil des Buttogehalts des Arbeitnehmers ab – es handelt sich dabei um die sog. Entgeltumwandlung.

Arbeitnehmer haben nach § 1a Betriebsrentengesetz (kurz: BetrAVG) einen gesetzlichen Anspruch auf eine Entgeltumwandlung. Ein festgelegter Betrag ihres Lohns oder Einkommens wird dabei für den Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge eingesetzt.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einen Zuschuss von 15 Prozent zu leisten. Für Entgeltumwandlungsvereinbarungen vor dem 01.01.2019 gilt die Zuschusspflicht seit dem 01.01.2022.

Der Vorteil für Arbeitnehmer: Die Beiträge für die betriebliche Altersversorgung gehen vom Bruttogehalt ab, wodurch sich das zu versteuernde Einkommen reduziert. Das spart dem Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben.

Die Rente ist dann allerdings steuerpflichtig. Die Abgaben werden also lediglich in die Rentenphase verschoben. Diese „nachgelagerte Besteuerung“ der Rente ist jedoch meist von Vorteil: Wer eine Altersrente bezieht, hat üblicherweise geringere Einnahmen als zu Berufszeiten und damit auch einen geringeren Steueranteil auf die Rente.  Weitere Informationen zur Versteuerung der Rente finden Sie hier.

Wann sind Einzahlungen in die bAV steuerfrei?

Steuerfreie Einzahlungen an eine Direktversicherung, an eine Pensionskasse oder einen Pensionsfond zum Aufbau der bAV sind auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (BBG RV West) begrenzt. 2022 sind das 564 Euro monatlich bzw. 6.768 Euro jährlich. Die Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung liegt bei vier Prozent in der BBG RV West. Das sind 282 Euro monatlich  bzw. 3.384 Euro jährlich im Jahr 2022. Weitere Informationen finden Sie hier.

Müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter verpflichtend zur bAV anmelden?

Der Arbeitnehmer hat zwar ein Recht auf die bAV – allerdings haben Arbeitgeber keine Verpflichtung, Mitarbeiter auf den Anspruch zur Entgeltumwandlung hinzuweisen. Angestellte müssen sich selbst aktiv um eine betriebliche Altersvorsorge bei ihrem Arbeitgeber bemühen. Welcher Durchführungsweg bei welchem Versicherer und welche Vertragskonditionen der bAV zugrunde liegen, ist Entscheidung des Arbeitgebers.

Viele Jahre konnten Arbeitgeber selbst entscheiden, wie hoch der Arbeitgeber Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge ausfällt. Seit 2019 gilt für jeden neu geschlossenen bAV Vertrag ein verpflichtender Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent. Seit 2022 ist der Arbeitgeberzuschuss auch für bereits bestehende Verträge verpflichtend.

Für wen lohnt sich die Betriebsrente?

Ob sich eine Betriebsrente für einen Arbeitnehmer lohnt, hängt davon ab, ob die Einsparungen während der Berufstätigkeit die Abgaben im Alter übertreffen.  Zu bedenken ist, dass durch die Entgeltumwandlung die gesetzliche Rente eines Arbeitnehmers schrumpft. Denn durch das geringere zu versteuernde Bruttoeinkommen fließen weniger Beiträge in die Rentenversicherung und die gesetzliche Sozialversicherung – und damit verringern sich auch Ansprüche auf Eltern-, Kranken oder Arbeitslosengeld.

Für Arbeitgeber bedeutet der Zuschuss zur betrieblichen Rente grundsätzlich keine zusätzliche Belastung. Für die Entgeltumwandlung, die vom Bruttolohn abgeht, fallen innerhalb der Höchstgrenze keine Sozial­versicherungs­beiträge an. Der Arbeitgeber spart gegenüber einer Lohnerhöhung seinen Anteil an Versicherungsbeiträgen.

Die bAv Vorteile für Arbeitgeber:

  • Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber, aktives Employer Branding
  • Mitarbeiterbindung und Motivation
  • Übernahme sozialer Verantwortung
  • Reduzierung der Lohnnebenkosten durch Entgeltumwandlung

Als Betriebsausgabe steuerlich anrechenbar.

Employer Branding und Mitarbeiterbindung über die Betriebsrente hinaus

Für Arbeitgeber, die ihre Angestellten ans Unternehmen binden möchten, ist die Betriebsrente ein attraktives Werkzeug. Eine weitere zeitgemäße Form, um Mitarbeiter zu motivieren und Steuern zu sparen, bietet Lunchit. Es handelt sich dabei um eine App, mit der Essenszuschüsse gewährt werden.

Für Mitarbeiter ist die App flexibel nutzbar und kann in Restaurants, bei Imbissen und Lieferservices sowie im Supermarkt und an vielen anderen Orten eingesetzt werden. Arbeitgeber profitieren von steueroptimierten Sachbezügen und zugleich einem Top Argument im Recruiting.

Die betriebliche Altersvorsorge bei Arbeitgeberwechsel: Was passiert mit den Zuschüssen?

Arbeitnehmer müssen einbezahlte bAV-Beiträge nicht zurückzahlen, wenn sie ihren Job wechseln, und die Beiträge gehen auch nicht verloren – das nennt sich Unverfallbarkeit. Der neue Arbeitgeber muss in jedem Fall eine Form von Betriebsrente anbieten – den bisherigen bAV-Vertrag muss er aber nicht zu denselben Konditionen weiterführen, sondern kann das Kapital in das eigene Versorgungssystem oder in einen neuen Vertrag übertragen.

Die Unverfallbarkeit gilt allerdings nicht automatisch, sondern ist an bestimmte Voraussetzungen bzw. Fristen gebunden:

  • Angestellte, die per Entgeltumwandlung selbst in die bAV eingezahlt haben, profitieren von sofort unverfallbaren Rentenansprüchen. Monatliche Zuschüsse des Arbeitgebers sind ebenfalls unverfallbar.
  • Hat der Arbeitgeber die Betriebsrente jedoch vollständig finanziert, hängt die Unverfallbarkeit vom Alter des Angestellten und der Länge der Betriebszugehörigkeit ab, siehe Kasten.

Fristen für die Unverfallbarkeit arbeitgeberfinanzierter Betriebsrenten:

  • Vereinbarungen vor 2009: Mindestalter von 25 Jahren; keine Mindestbetriebszugehörigkeit
  • Vereinbarungen zwischen 2009 und 2017: Mindestalter 25 Jahre; Zusage seit mindestens fünf Jahren
  • Vereinbarungen seit 2018: Mindestalter 21 Jahre; Zusage seit mindestens drei Jahren

Falls der neue Arbeitgeber den bisherigen Vertrag nicht übernehmen möchte und dem Jobwechsler das Betriebsrenten-Angebot des neuen Arbeitgebers nicht zusagt, kann der Arbeitnehmer den Vertrag privat fortführen (allerdings verliert er dann die Steuervorteile der Entgeltumwandlung) oder pausieren (die bereits eingezahlte Summe bleibt dann bis zum Rentenbeginn beim Anbieter).

Ruth Wiebusch

Ruth Wiebusch

Content Writer "Mitarbeiter-Benefits"

Ruth erstellt seit vielen Jahren Blogbeiträge für das SPENDIT Magazin. Sie ist Expertin auf den Gebieten Mitarbeitermotivation, steuerfreie Sachbezüge und New Work. Neben Inhalten für Online-Magazine kreiert sie PR-Texte, Marketingmaterialien und Content für Webseiten. Ihre Softskills: viel Erfahrung, Struktur, Empathie und Neugier.

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