Frauen in Führungspositionen

Frauen in Führungspositionen

Wie führen Frauen? Und warum gibt es im deutschsprachigen Raum immer noch so wenige in den Chefetagen? Diese und weitere spannende Fragen rund um weibliche Führungskräfte beantwortet Coach und Führungskräftetrainer Werner Dopfer aus München – der übrigens auch das SPENDIT Team betreut. Und er ist Autor des erfolgreichen Buches „Mama-Trauma: Warum Männer sich nicht von Frauen führen lassen“.

Herr Dopfer, warum tun sich Frauen in Führungspositionen immer noch so schwer, in der Wirtschaft oder in Unternehmen Fuß zu fassen? Der Anteil der weiblichen Führungskräfte in den größten deutschen Unternehmen liegt bei nicht einmal 10 Prozent.

werner-dopfer-fuehrungskraeftecoach

„Über diese Frage wird ja seit langem spekuliert. Die psychologischen Ursachen werden jedoch meist zu wenig beleuchtet. Ich habe dazu drei Hypothesen.

Erstens: Männer sind deutlich egozentrischer und machtorientierter, aber auch radikaler und profitorientierter als Frauen. Deshalb schaffen sie es bis ganz nach oben. Im Turbokapitalismus wird dieses – zum Teil soziopathische Verhalten – belohnt.

Zweitens: Wenn Männer ganz oben angekommen sind, wollen sie gerne unter sich bleiben und bei den „Spielchen“ um Status nicht von Frauen beobachtet, geschweige denn kontrolliert werden. Endlich eine Spielwiese ohne Frauen, nach Mama, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen … Welche unbewussten Motive hier eine Rolle spielen, habe ich in meinem Buch anschaulich beschrieben.

Drittens: Frauen verstehen häufig das Seelenleben der Männer zu wenig und scheitern auf dem Weg nach oben, weil sie die in einer männlichen Führungskultur relevanten Rituale nicht zu deuten wissen, wie beispielsweise das typische Gerangel um den Platz in der Hierarchie.“

Trauen sich Frauen Führungskompetenz womöglich selbst nicht zu?

„In aller Regel unterschätzen Frauen ihre Führungsfähigkeiten. Leider! Sie zweifeln zu viel, sind oftmals zu bescheiden und scheuen Konflikte. Obwohl sie ebenso gut ausgebildet sind wie Männer, entwickeln sie zu wenig Stolz auf ihr Können.“

Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrem Führungsstil? Welche Kompetenzen bringen sie jeweils typischerweise mit?

„Natürlich gibt es hier Tendenzen. Die Stärken der Frauen liegen in der Empathie und im Interesse an sozialen Interaktionen, sprich: im kooperativen Miteinander. Die Stärken der Männer liegen im Explorativen, also etwas aktiv zu unternehmen und risikofreudig zu realisieren.“

Lesen Sie noch mehr zum Thema Führung und was eine gute Führungskraft ausmacht!

Was wäre, wenn der Anteil der Frauen in Führungspositionen deutlich höher ausfallen würde? Wie sähe unsere Gesellschaft wohl aus?

„Wie Gesellschaften, aber auch Unternehmen sich durch Führungspersönlichkeiten verändern können, zeigt die Geschichte zur Genüge. Aktuelle Beispiele sind Trump, Putin oder Salvini, aber auch das VW-Desaster fällt mir dazu ein. Männer führen zum Teil auf besorgniserregende Weise. Daher kann man nur dafür plädieren: Mehr Frauen an die Macht! Dann läuft es vermutlich deutlich kooperativer und weniger aggressiv.“

Daher kann man nur dafür plädieren: Mehr Frauen an die Macht! Dann läuft es vermutlich deutlich kooperativer und weniger aggressiv.

Liegt das Ziel guter Führung in der goldenen Mitte? Wie kann denn ein ausgewogener Führungsstil aussehen, der das Beste aus der männlichen wie der weiblichen Welt vereint?

„Nahezu 30 Jahre Erfahrung in der Beratung von Führungskräften auf allen Ebenen haben mich dazu veranlasst, einen Führungsstil zu entwickeln, der genau dies beinhaltet – also das jeweils Beste aus männlicher und weiblicher Führungskompetenz zusammenzuführen, im sogenannten „Meta-Gender-Führungsstil“. Er definiert sich beispielsweise durch ein Höchstmaß an Transparenz, Vernetzung und Werteorientierung. Ich habe bereits eine große Anzahl von Führungskräften in diesem Stil geschult, denn gute Führung kann man lernen.“

Diese Goodies machen Frauen und Männer gleichermaßen glücklich – ob Chef oder Mitarbeiter.

SpenditCard Guthabenabfrage
Lunchit App mit Salat

Was können Frauen konkret tun beziehungsweise wie können sie sich einbringen, wenn sie am Arbeitsmarkt Karriere machen möchten?

„Wichtig ist, die Psychologie der männlichen Seele zu verstehen. Was bedeuten männliche Verhaltensmuster? Welche Motive stecken hinter ihren Handlungen? Männer wollen einfach oft Helden sein, deswegen tun sie bisweilen verrückte Dinge. Frauen sollten des weiteren Bescheidenheit und Perfektionismus reduzieren und zu ihren weiblichen Qualitäten stehen. Auf keinen Fall männliche Verhaltensweisen unreflektiert imitieren!“

Müssen Frauen als Führungskraft auf Kinder verzichten? Oder gibt es Wege, beides zu vereinen?

„Die Verzichtsfrage halte ich für irrelevant. Es ist doch immer die Frage, was man persönlich möchte, was einen erfüllt. Mit dem Lebenspartner hier eine gemeinsame Antwort zu finden, schafft durchaus die Möglichkeit, beides miteinander zu vereinbaren. Als alleinerziehende Frau oder ohne Unterstützung des Partners ist es mit Kindern wohl eher schwierig für eine Frau, Karriere zu machen. Eine erfolgreiche berufliche Karriere ohne Burnout braucht immer eine gute soziale Einbindung.“

Wie können denn Unternehmen Frauen unterstützen und ihnen den beruflichen Aufstieg erleichtern? Gibt es möglicherweise funktionierende Modelle im Ausland?

„Wenn es Unternehmen schaffen, ihre kollektiven unbewussten Muster zu durchbrechen, wie beispielsweise die erwähnten Männerrituale, und insgesamt für mehr Diversität sorgen, sehe ich gute Chancen. Heterogene Teams haben erwiesenermaßen die höchste Performance. Insofern liegt es im ureigenen Interesse von Unternehmen, hier für mehr Ausgewogenheit zu sorgen.

Modelle oder gar Quoten lösen das Thema meiner Ansicht nach nicht. Man muss sehen, dass – historisch betrachtet – Männer noch nicht daran gewöhnt sind, von Frauen geführt zu werden. Das muss auch in unseren Köpfen selbstverständlich werden. Und Frauen könnten meiner Meinung nach mehr Mut haben, zu zeigen, was sie können. Immerhin haben wir eine Bundeskanzlerin! Und im spanischen Parlament liegt die Frauenquote bei rund 50 Prozent. Wenn das keine Zeichen sind …

Carola Rakete und Greta Thunberg sind für mich gute Beispiele dafür, was die neue Frauengeneration auszeichnet: Sie verhalten sich mutig und lassen sich nicht einschüchtern. Sie stellen Ziele und Interessen in den Fokus und weniger die eigene Person.“

Herzlichen Dank an Sie, Herr Dopfer, für das interessante Gespräch!

Ist dieser Artikel ein neuer Stern auf Ihrem Wissenshimmel? Wir freuen uns über Ihre Bewertung!
4.8/54 ratings

Ihre Lesezeit ist noch nicht ausgeschöpft? Hier finden Sie noch mehr Inspiration: