Mit Achtsamkeit und Selbstreflexion gegen schlechte Mitarbeiterführung

Mit Achtsamkeit und Selbstreflexion gegen schlechte Mitarbeiterführung

Wie motiviert man langjährige Mitarbeiter? Wie schafft man ein Arbeitsumfeld, in dem alle gerne ihren Job machen?  Wie sieht gute Mitarbeiterführung aus? All diese Fragen werden in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger. Doris Wallner-Bösmüller, Geschäftsführerin der Druckerei Bösmüller Print Management, ist überzeugt, dass die Antworten sehr viel mit Selbstreflexion und Achtsamkeit zu tun haben.

Frau Wallner-Bösmüller, vor welchen besonderen Herausforderungen in Sachen Mitarbeiterführung standen Sie, als Sie vor zehn Jahren in die Geschäftsführung Ihres Familienunternehmens eintraten?

Die Druckerei Bösmüller gibt es seit 42 Jahren. Und natürlich wurde das Unternehmen in diesen Jahren geprägt.  Anders als bei einer Neugründung, mussten wir auf dem vorhandenen Guten und dem gemeinsamen Nenner aufbauen und uns quasi aus dem System heraus im Tun und Werden transformieren. Da wir uns in einem Markt bewegen, der viele Jahre geschrumpft ist, ging es bei uns nicht darum, neue Mitarbeiter anzulocken, sondern die bestehende Mannschaft zu halten, zu motivieren und Bedingungen zu schaffen, die diese Leute gern arbeiten lässt. Die besondere Challenge war es, ein gutes Arbeitsklima zu erhalten, obwohl wir Kündigungen aussprechen mussten.

Welche Dinge wollten Sie als Chefin verändern?

Den Umgang mit Fehlern, der mit Angst verknüpft war. Fehler wurden angeprangert. Statt nach einem Weg zu suchen, etwas besser zu machen, wurde vor allem ein Schuldiger gesucht.

Wie sollte ein gutes Management denn Ihrer Meinung nach mit Fehlern umgehen?

Man sollte sich gemeinsam hinsetzen, sich fragen, was lernen wir daraus, wie stellen wir zuallererst den Kunden zufrieden? Durch Offenheit und Ehrlichkeit wird bereits viel Druck rausgenommen. Offen zu dem stehen, was passiert ist und es akzeptieren. Dann werden der Kopf und das Herz frei, um zu überlegen, was man ändern und verbessern muss, dass dies nicht nochmal passiert.

Eine Offenheit im Umgang mit Fehlern setzt eine gute Kommunikation zwischen Management und Mitarbeitern voraus. Wie bekommt man das hin?

Kritik muss immer konstruktiv sein. Nur so kann man mit gezielten Worten das Beste aus der Situation herausholen, selbst wenn mich als Führungskraft das Verhalten des Mitarbeiters gestört hat. Vor allem ist es wichtig, dass man sein Gegenüber nicht in eine Abwehrhaltung treibt, die nur zu Aggressionen und zum Gegenschießen führt.

Druckerei Bösmüller

Aber wie schafft es der Boss, den Mitarbeiter nicht gegen sich aufzubringen, wenn er Kritik an ihm übt?

Das Wichtigste ist die Selbstreflexion. Die Frage an mich selbst: wie kommuniziere ich eigentlich? Wie schaffe ich es die Mitarbeiter zu ermutigen, über ihre Fehler zu kommunizieren bzw. damit umzugehen, wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen soll? Die Frage, die ich mir als Führungskraft also stellen muss ist: Wie muss ich mich verhalten, dass ich den anderen mit im Boot habe und er nicht gegen mich aus dem Untergrund heraus arbeitet?

Schlechte Mitarbeiterführung zeichnet sich oft durch fehlende Empathie aus. Kann ein Chef denn das dazu nötige Einfühlungsvermögen lernen?

Um einfühlsam zu sein, muss ich auch mir selbst gegenüber einfühlsam sein. Ich muss spüren, was wer im Unternehmen braucht. Ich selbst meditiere jeden Tag am Morgen. Dabei erhalte ich oft ein gutes Gefühl darüber, was am heutigem Tag wo und von wem benötigt wird.

Ich hätte deshalb auch gerne im Unternehmen einen Raum der Stille, in dem auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meditieren und zur Ruhe kommen können. Leider finden wir dafür zurzeit keinen Platz. Aber ich spreche sehr offen darüber und biete meinen Mitarbeitern auch an, es selbst auszuprobieren, ob es einen Unterschied macht, wenn er oder sie zehn Minuten frühmorgens in der Stille der Meditation verbringt. Wichtig ist, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg findet, um Kraft zu tanken. Der eine wäscht sein Auto, der andere macht Sport, wieder ein anderer erholt sich durch das Lachen der eigenen Kinder. Es gibt also kein richtig oder falsch.

Was gehört außer guter Kommunikation und positiver Fehlerkultur noch zu guter Führung?

Achtsamkeit mit den Dingen, die Freude machen. Das sind manchmal Kleinigkeiten, ein Dankeschön, kleine Aufmerksamkeiten, die im Laufe des Jahres verteilt werden. Egal ob das jetzt im Sommer ein Eis ist oder im Herbst Äpfel, die ein paar Wochen zur Verfügung gestellt werden; mit offenen Ohren und Augen durch den Betrieb zu gehen und ein ehrliches Lob auszusprechen ist ebenso immer wichtig!

Auch der der Arbeitsplatz sollte nicht vernachlässigt werden. Er sollte so gestaltet werden, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und die Energie dort gut fließen kann – in jeder Form. Verstaubte Jalousien beeinflussen den Arbeitsprozess nicht direkt, aber es prägt uns sehr wohl. So will ich auch keine rostigen Container bei uns stehen haben. Man sollte daher im wahrsten Sinne des Wortes Raum schaffen, aufräumen, um der Seele Luft zu geben. Diese Prozesse immer wieder anzustoßen, ist für mich auch Teil der Führungsaufgabe.

Und all das wirkt sich dann positiv auf die Produktivität aus?

Ordentliche Arbeit braucht Ordnung! Es bringt schließlich wenig, wenn alle sich wohlfühlen, aber wir nicht wissen, wie wir die nächsten Gehälter zahlen können. Die Kennzahlen und das „Feinstoffliche“ müssen kongruent sein, die Balance muss stimmen. Das eine bestätigt das andere und umgekehrt.

Doris Wallner-Bösmüller Druckerei

Welche Führungsfehler machen schlechte Chefs und sorgen damit für Unzufriedenheit?

Nur sein Ding zu machen, unantastbar zu sein und die Menschen im Unternehmen nicht mitzunehmen, sorgt definitiv für Unzufriedenheit. Ein guter Chef besitzt das Talent, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, um dann gemeinsam die Vision zu beflügeln.

Gehören dazu auch regelmäßige Mitarbeitergespräche?

Wir pflegen eher das aus dem Storage bekannte „Chaosprinzip“. Gespräche mit den Mitarbeitern sollten immer anlassbezogen sein.

Stichwort Selbstreflexion: Begehen auch Sie hin und wieder Führungsfehler?

Ich müsste viel öfter durch die Produktion gehen. Aber dann sitze ich im Büro hinter meiner Glasscheibe und dann kommt noch ein Telefonat und die nächste E-Mail und abends bemerke ich erst, dass ich wieder nicht in der Produktion war – das ist ein Fehler, denn es ist gut präsent zu sein.

Wie bemerkt man als Führungskraft, dass die Mitarbeiter unzufrieden sind?

Einige Unternehmen machen das an Krankenständen oder einer hohen Fluktuation fest. Bei uns stehen die Mitarbeiter vor der Tür und beschweren sich, wenn sie unzufrieden sind, oder man sieht es in ihren Gesichtern. Manche schweigen auch, reden für längere Zeit nicht. Dann muss man sie ansprechen. Denn nur dann weiß man, da ist etwas im Busch. So kann man gemeinsam im Gespräch eine Lösung für alle drei Seiten finden: Die Führung, den Mitarbeiter und das Unternehmen.

Welche Tipps würden Sie anderen Unternehmern mitgeben, um schlechte Mitarbeiterführung zu vermeiden und in eine gute umzuwandeln?

Führung beginnt bei einem selbst – Selbstführung. Alles, was man für sich tun kann, um Klarheit zu erhalten, beeinflusst die Unternehmensführung in positiver Art und Weise. Die Zeit, in der ich mich damit beschäftige, mein eigenes Tun zu reflektieren, erweitert mein Spektrum im Umgang mit Mitarbeitern. Alles, was mein Bewusstsein hebt, hebt auch das Bewusstsein und die Energie des Unternehmens.

Vielen Dank Frau Wallner-Bösmüller für das interessante Gespräch!

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