Selbstbestimmung ist ein wesentlicher Faktor für das persönliche Glück

Selbstbestimmung ist ein wesentlicher Faktor für das persönliche Glück

Jüngst hatten wir die Gelegenheit mit dem Glücksforscher, Mediator und Ex-CEO Dr. Peter Adler über entscheidende Glücksfaktoren zu sprechen.

Bereits als ehemaliger CEO eines Telekommunikations- und Internetunternehmens wusste er, dass die Motivation der Mitarbeiter entscheidend für den Unternehmenserfolg sind. Die Restrukturierung des Unternehmens und den massiven Stellenabbau konnte er nur durch Förderung der Kommunikation bewerkstelligen.

Was sind die entscheidenden Glücksfaktoren nach Dr. Adler?

Glücksfaktor Nr. 1 „der andere Mensch“

„Ein grundlegender Glücksfaktor des Menschen ist nämlich der andere Mensch. Der Mensch sieht sich im anderen, und steht mit dem anderen in Kontakt. Dieses Bedürfnis kommt aus dem tiefen Wunsch nach Ewigkeit, nach Arterhaltung, nach Reproduktion.“ Wissend um dieses Kontaktbedürfnis des Menschen führte er damals eine Kantine und Raucherecken ein. Beide Plätze sollten der Kommunikation dienen. Er servicierte die Nichtraucher, indem er ihnen rauchfreie Büros ermöglichte und den Rauchern die Raucherecken. Als nichtrauchender Manager ging er regelmäßig in die Raucherecken, um mit den Mitarbeitern zu reden und sich informiert zu halten.

Gibt es den Glücksfaktor „Arbeit“? Dr. Adler: „In der österreichischen Kultur ist Arbeiten nicht positiv belegt.“ Deshalb führte er eine Kantine ein, die Katalysator für Verabredungen beim Essen war. „Denn am Arbeitsplatz reden die Mitarbeiter über den Urlaub, während sie beim Essen über die Arbeit reden“, ist seine tiefste Überzeugung. „Daher entstehen beim Essen die besten Deals und Innovationen, und nicht bei der Arbeit“, konstatiert er.

Glücksfaktor Nr. 2 „Wahlfreiheit“

„Kein Mensch lässt sich gern etwas verbieten. Verbote führen zu Widerstand, die Psychologie nennt das Reaktanz. Deshalb ist Wahlfreiheit ein weiterer wesentlicher Glücksfaktor. Selbstbestimmung führt zur Erweiterung von Möglichkeiten und damit zu Zufriedenheit.  Wenn der Mitarbeiter selbst bestimmt, wohin er essen geht, und zudem noch einen Zuschuss bekommt, fördert das sein Glückserleben und die Wahlfreiheit des einzelnen. Dem Mitarbeiter geht es nicht so sehr um die finanziellen Vorteile, sondern vielmehr um seine kurzfristige Entscheidungsmöglichkeit und Selbstbestimmung. Dieser Benefit dient dem Wohlfühlfaktor.“

Glücksfaktor Nr. 3 „der Mensch will geschätzt und geliebt werden“

Dr. Adler ist gefragter Mediator und vermittelt in vielen Konflikten. „Konflikte machen uns unglücklich, da wir geschätzt und geliebt werden wollen. Entzieht man uns die Zuneigung, entsteht Angst, die unser Überleben gefährden könnte. Ein Konflikt ist allerdings erst dann eine Bedrohung, wenn er uns überfordert. Und so verhält es sich auch in der Arbeit. Wir brauchen eine Optimalbelastung oder optimale Herausforderung. Das heißt, wir wollen etwas machen, das wir noch nicht ganz können. Dann entsteht der Flow, der uns wiederum glücklich macht.“

Wie kann Digitalisierung unser Glücksempfinden steigern?

„Alle Dienstleistungen, die durch Digitalisierung entstehen, wie eben auch Apps, die die Kommunikation mit dem anderen fördern, die Selbstbestimmung und Wahlfreiheit des einzelnen erhöhen, der optimalen Herausforderung oder dem Flow dienen, tragen zu unserem Glücksempfinden bei. Aber gerade weil Spiegelneuronen nicht über das Internet funktionieren, braucht es den persönlichen Kontakt mit anderen. Digitale Produkte und Dienste können dies unterstützen, aber nicht ersetzen. Deshalb sollte man gleichzeitig mit der Anschaffung eines Computers auch die persönliche Kommunikation erhöhen.“

 

Wir danken Dr. Adler für das spannende Interview und wünschen ihm alles Gute!

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