Gehaltswunsch richtig formulieren: Was bin ich wert, und wie kommuniziere ich es?

Gehaltswunsch richtig formulieren: Was bin ich wert, und wie kommuniziere ich es?

Wie viel Gehalt kann ich fordern und wie kommuniziere ich das am besten? Tereza Sommerfeld, Rechtsanwältin bei der externen Personalabteilung allaboutHRLaw, erzählt im Interview, was Arbeitnehmer rund um das Thema Gehalt beachten sollen.

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Frau Sommerfeld, ob im Anschreiben bei Bewerbungen, im Vorstellungsgespräch oder bei der Gehaltsverhandlung mit dem Arbeitgeber – einen konkreten Gehaltswunsch zu formulieren fällt vielen von uns schwer. Wovor haben Ihrer Erfahrung nach die meisten Angst?

 

Für viele Menschen in so einer Situation ist es wohl schwierig, sich selbst einschätzen zu müssen und den eigenen Marktwert zu konkretisieren. Oft hat man auch das Gefühl, in einer unterlegenden Position zu sein. Außerdem hat der Gehaltswunsch ja eine große Relevanz: Für die meisten Unternehmen ist er im Anschreiben ein Indiz dafür, ob ein Kandidat eingeladen wird oder nicht.

Was tun gegen Nervosität und Angst?

 

Zwei Punkte sind meiner Erfahrung nach hilfreich: zum einen, sich klarzumachen, dass der andere auch nur ein Mensch ist und wahrscheinlich ebenfalls nervös. Denn für Vorgesetzte ist so ein Gespräch auch nicht einfach. Gehalt ist bei uns in Deutschland ja immer noch weitgehend ein Tabu, über das nicht offen gesprochen wird.

Zum anderen sollte ich mich gut vorbereiten. Ich kann mich fragen, welches Gehalt ich mir vorstelle, wie weit ich nach unten gehen würde. Ich kann mir den Best Case und den Worst Case ausmalen, mögliche Reaktionen des Vorgesetzten oder Personalers und meine eigene Reaktion darauf beziehungsweise passende Argumente.

Hier geht es ja auch ums Thema Selbstbewusstsein – nur wenn man seinen Eigenwert verinnerlicht hat, kann man das effektiv nach außen kommunizieren und letztlich durchsetzen, was man möchte. Wenn ich hier einen Mangel spüre, wie kann ich daran arbeiten?

 

Ich würde mich in einer ruhigen Minute hinsetzen und mir folgende Fragen schriftlich beantworten: Was kann ich? Was habe ich in letzter Zeit beruflich geschafft, wo liegen meine Erfolge und vielleicht auch Misserfolge? Was bringe ich dem Unternehmen?

Wer hier selbstkritisch ist, kommt zu einem vernünftigen, realistischen Selbstbild. Auch Feedback bei Kollegen oder Vorgesetzen einzuholen ist eine gute Sache, wenn auch nicht immer ganz einfach. Viele können und wollen kein Feedback geben, und natürlich muss ich dann auch mögliche Kritik annehmen.

Den eigenen Marktwert richtig einzuschätzen spielt ja eine zentrale Rolle bei meiner Gehaltsvorstellung. Wo kann ich mich gerade als Berufseinsteiger informieren, was in meiner Branche üblicherweise gezahlt wird?

 

Ich würde auf jeden Fall das Internet bemühen: Online-Vergleichsportale, Jobbörsen, Studien, Statistiken …  Allerdings muss man hier aufpassen, weil nicht selten Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ich darf da weniger nach dem Titel gehen, sondern schaue mir die Jobinhalte an: Ein Projektleiter in einem großen Unternehmen hat ja ganz andere Aufgaben und Verantwortung, oft auch einen größeren Erfahrungsschatz als ein Projektleiter in einem kleinen Start-up. Das führt zu Verzerrungen. Oft handelt es sich um Durchschnittswerte, die Ausreißer nach oben und unten miteinschließen. Am besten betrachtet man solche Vergleichsportale als grobe Anhaltspunkte, nicht als gültige Wahrheiten. Wer die Möglichkeit hat, kann natürlich zusätzlich im Bekanntenkreis herumfragen.

Können Sie uns ein paar Hinweise geben, wie ich meine Gehaltsvorstellungen meinem (zukünftigen) Arbeitgeber gegenüber in der Bewerbung bzw. im Anschreiben richtig formulieren?

 

Ich würde – am Ende des Bewerbungsschreibens – das gewünschte Brutto-Jahreseinkommen nennen. Zusatzleistungen wie Urlaubsgeld oder vermögenswirksame Leistungen würde ich nicht mitangeben. Zu detaillierte Gehaltsvorstellungen wirken auf potenzielle Arbeitgeber eher abschreckend.

Wenn das Unternehmen in seinem Stellengesuch keine Aufforderung zum Gehaltswunsch formuliert, ist es eine persönliche Entscheidung, ob ich meinen Wunsch trotzdem angebe. Wenn mir ein bestimmtes Gehalt wichtig ist, wenn ich sehr daran hänge, dann ist es gut, das auch früh – nämlich hier – zu äußern. Sollte das Unternehmen mir das nicht bieten können oder wollen, sparen wir uns ein überflüssiges Bewerbungsgespräch.

Wie kann ich meinen Gehaltswunsch konkret in Worte fassen?

 

Klar und deutlich zu formulieren halte ich für gut und richtig, zum Beispiel: „Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei 45.00 Euro brutto im Jahr“ oder „Mein Gehaltswunsch liegt bei einem Brutto-Jahresgehalt von 45.000 Euro.“ Ich würde es als Wunsch formulieren und nicht schreiben: „Bisher habe ich XX Euro verdient.“

„Meinen Gehaltswunsch erläutere ich gerne im persönlichen Gespräch mit Ihnen“, auch das taucht immer wieder auf – ob ich so etwas schreibe, würde ich wie bei der vorherigen Frage entscheiden: Ist das Gehalt eher zweitranging, sind mir spannende Aufgaben wichtiger? Dann reicht möglicherweise eine Klärung im Vorstellungsgespräch.

Nehmen wir an, ich bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen, habe beim Chef um eine Gehaltsanpassung gebeten oder mein jährliches Mitarbeitergespräch inklusive Gehaltsrunde steht an. Wie bereite ich mich idealerweise vor?

 

Zusammenstellen, was ich bisher an persönlichen Leistungen für das Unternehmen erbracht habe, welchen Wert ich gestiftet habe. Welchen Nutzen biete ich der Firma, welche Projekte habe ich erfolgreich gemanagt, welche Prozesse verbessert, wo Kosten gespart? Wie profitiert also das Unternehmen ganz konkret von mir? Wenn ich das Erreichte in den Mittelpunkt stelle, kann der Chef dem wohl nur zustimmen.

In Unternehmen, in denen die Gehälter transparent sind, gibt es ja eine Bandbreite, innerhalb derer ich mich bewege. Hier entscheidet dann die persönliche Leistung, wieviel ich verdiene. Eine Gehaltsanpassung nach oben ist durch mehr Erfahrung oder komplexeren Aufgaben gerechtfertigt.

Der Termin ist da: Was ist jetzt wichtig, wie kann ich mich positiv verkaufen?

 

Ich würde versuchen, authentisch zu bleiben. Nicht zu flunkern, nicht zu übertreiben. Nicht emotional werden, sondern sachlich bleiben.

Gibt es auch No-Gos – Dinge, die bei Gehaltsverhandlungen besser ungesagt bleiben?

 

Nötigung und Erpressung führen bestimmt nicht zum Ziel, also Aussagen wie: „Wenn ich das und das nicht bekomme, dann schaue ich mich am Markt um“. Firmeninterne Vergleiche halte ich ebenfalls für schwierig: „Aber meine Kollegin verdient viel mehr als ich!“ In nicht wenigen Unternehmen ist ein offener Austausch der Mitarbeiter untereinander über ihr Gehalt nicht erwünscht. Und ich glaube auch nicht, dass Begründungen wie „Ich brauche das Geld für mein neues Haus oder Auto!“ einen Chef überzeugen.

Frauen werden in Deutschland im Schnitt immer noch gut 20 Prozent schlechter bezahlt als Männer. Was heißt das für eine Frau in einer Gehaltsverhandlung?

 

Ich nehme das bei den Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite, nicht so wahr – also dass Frauen schlechter bezahlt werden. Eher schwierig ist es für Frauen zwischen 30 und 40, die möglicherweise einen Kinderwunsch haben.

Vielen Dank an Frau Sommerfeld für das interessante Gespräch!

Es muss nicht immer die klassische Gehaltserhöhung sein! Mit smarten Mitarbeiter-Benefits, wie der Lunchit App und der SpenditCard, können Chefs ihren Mitarbeitern mehr Netto vom Brutto bieten und gleichzeitig Steuern sparen!

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