Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz: Warum sie so wichtig ist und wie sie Arbeitgeber fördern können

Gesunde Ernährung ist nicht nur Privatsache, denn auch am Arbeitsplatz sollten wir gesunde Lebensmittel zu uns nehmen. Aber warum tun wir uns ausgerechnet im Arbeitsalltag so schwer? Mona Glock, Ernährungswissenschaftlerin und Gründerin von MixDeinBrot, hat Tipps wie es dennoch gelingt, sich gesund zu ernähren und wie Arbeitgeber eine gesunde Mittagspause fördern können.

Gesunde Ernährung am Arbeitsplatz: Warum sie so wichtig ist und wie sie Arbeitgeber fördern können

Gesunde Ernährung bedeutet für mich persönlich, Bewusstsein gegenüber dem Lebensmittelanbau, dem Lebensmittel selbst, der Mahlzeitenzubereitung und dem eigentlichen Essen zu haben bzw. zu entwickeln. Bewusstsein und Achtsamkeit helfen unter anderem zu erkennen, wann wir satt bzw. hungrig sind und wir erkennen, warum wir essen. Häufig essen wir nämlich nicht, weil wir hungrig sind, sondern aufgrund bestimmter Emotionen wie Frust, Traurigkeit oder Stress. Darüber hinaus bedeutet es für mich den Anteil pflanzlicher Lebensmittel in der täglichen Ernährung hoch zu halten und die Lebensmittel möglichst unverarbeitet zu verzehren. Viele der bekannten Ernährungskonzepte beinhalten genau diese unverarbeiteten Lebensmittel. Das heißt das ganze Obst, das ganze Gemüse oder den ganzen Fisch zu essen bzw. daraus selbst Gerichte zuzubereiten. Fehlanzeige oder nur in sehr geringen Mengen in den entsprechenden Ernährungsformen zu finden sind helle Mehle, Süßwaren oder Fertigprodukte.

Ernähren sich Menschen am Arbeitsplatz gesünder als noch vor zehn Jahren? Oder ist gesunde Ernährung mehr eine Modeerscheinung?

Ich glaube, dass das Bewusstsein in den letzten Jahren für Ernährung, Lebensmittel, Lebensmittelproduktion und den Anbau auf jeden Fall gestiegen ist. Laut dem Ernährungsreport 2019 ist sogar für 91% der Deutschen wichtig, dass das Essen gesund ist. Dieses Ergebnis bestätigt auch meine Wahrnehmung, dass das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung bei einem Großteil der Menschen durchaus vorhanden ist. Mit 95% sind sich die meisten der Deutschen zudem einig, dass die Grundlagen gesunder Ernährung bereits Teil der Schulbildung sein sollten. Das wäre vor 20 Jahren vermutlich noch ganz anders gewesen.

Warum ist gesunde Ernährung am Arbeitsplatz so wichtig? Und warum tun wir uns ausgerechnet im Arbeitsalltag so schwer, uns gesund zu ernähren?

Wir verbringen den Großteil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz. Deshalb ist es umso wichtiger, sich auch dort gesunde Ernährungsgewohnheiten „anzutrainieren“, um ernährungsabhängigen Erkrankungen vorbeugen zu können. Aber nicht nur die physische Gesundheit spielt eine Rolle. Die Ernährung beeinflusst auch maßgeblich die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns. Konzentrationsschwierigkeiten oder Müdigkeit können beispielsweise auch Folgen einer ungesunden Ernährung sein.

Sicherlich ist auch „fehlende Zeit“ ein oft gehörtes Stichwort, wenn es um gesunde Ernährung geht. Mit kleinen Veränderungen schaffen wir es aber auch, uns bei wenig Zeit gesund zu ernähren. Eine Möglichkeit, die sowohl zeit-, als auch geldsparend ist, ist die Mahlzeitenvorbereitung (Mealprep). Dadurch beschäftigen wir uns automatisch mit den Lebensmitteln und vermeiden so in der Regel ein Zuviel an Zucker, Zusatzstoffen oder anderen unerwünschten Inhaltsstoffen.

Kann uns die richtige Ernährung dabei helfen, Stresssituationen besser zu bewältigen?

Zum einen können Lebensmittel wie Walnüsse, grünes Gemüse oder Lachs die Leistungsfähigkeit unseres Gehirn unterstützen. Zum anderen hilft es in solchen Situationen, sich bewusst Zeit zum Essen zu nehmen. Nehmen wir uns bewusst diese Zeit, entspannen wir. In einem entspannten Zustand stehen wir kommenden Aufgaben gelassener gegenüber. Darüber hinaus arbeiten unsere Verdauungsorgane sehr viel besser. Eine Übung kann dabei sein, dass Sie sich ganz bewusst auf den ersten Bissen Ihrer Mahlzeit oder den ersten Schluck Ihres Getränks konzentrieren. Welchen Geschmack nehmen Sie war? Wie ist die Intensität des Geschmacks? Verändert sich der Geschmack während des Kauens? Wie riecht die Mahlzeit?. Trainieren wir dies regelmäßig, entsteht eine neue Gewohnheit, die uns hilft, das Essen bzw. die Mittagspause als Entspannungszeit zu nutzen.

Zum anderen hilft es in solchen Situationen, sich bewusst Zeit zum Essen zu nehmen. Nehmen wir uns bewusst diese Zeit, entspannen wir. In einem entspannten Zustand stehen wir kommenden Aufgaben gelassener gegenüber.

Gibt es Lebensmittel, die bspw. für den besonderen Kreativitätsschub sorgen können? Schließlich sind schon viele berühmte Dinge, wie die Idee zum iPhone, beim Lunch entstanden.

Grundsätzlich ist es so: wenn immer wir in einer positiven Stimmung sind, ist unser Geist offener. Dadurch erkennen wir auch mehr Möglichkeiten, um z.B. Herausforderungen zu lösen. Der Botenstoff Serotonin signalisiert Freude und Entspannung. Um Serotonin bilden zu können, sind wir auf eine bestimmte Aminosäure (Tryptophan) aus unserer Ernährung angewiesen. Diese kommt bspw. in folgenden Lebensmitteln vor:

  • Sesamsamen
  • Chia-Samen
  • Kürbiskernen oder
  • Edamer

Darüber hinaus gibt es noch den Botenstoff Dopamin. Dieser sorgt für unsere Antriebskraft und hilft uns dabei, unsere Ziele zu erreichen. Dopamin wird wie Serotonin aus einer bestimmten Aminosäure aufgebaut. Diese finden wir unter anderem in:

  • Parmesankäse
  • Hülsenfrüchten
  • Erdnüssen
  • Mandeln
  • Walnüssen
  • verschiedenen Kernen wie Kürbiskernen oder
  • Lachs

Dass Nüsse als sogenanntes ‚Brainfood‘ gelten ist also tatsächlich kein Mythos. Daher empfehle ich meinen Kunden auch immer täglich eine Handvoll Nüsse zu essen.

Weitere Lebensmittel, die als Brainfood gelten, haben wir in einem gesonderten PDF zum Download zusammengefasst!

Wo sollten wir am besten unsere Mittagspause verbringen?

Ein Tapetenwechsel, das heißt weg vom Arbeitsplatz zu gehen und an einem anderen Ort die Mittagspause zu verbringen, ist erholend und bringt die nötige Entspannung mit. Zudem bewegen wir uns dann etwas, wenn auch nur wenige Schritte. Wenn wir unsere Mahlzeit an einem anderen Ort einnehmen als am Arbeitsplatz, widmen wir uns mit mehr Aufmerksamkeit unserem Essen und nehmen dies auch bewusster wahr.

Essen wir hingegen am Schreibtisch, erleben wir das Essen eher unbewusst. Die Mahlzeit wird, ohne diese bewusst zu schmecken, „nebenher runtergeschluckt“. Neben dem Geschmack können wir auch unser Sättigungsgefühl oder die Bekömmlichkeit einzelner Lebensmittel nur bedingt wahrnehmen. Darüber hinaus entspannen wir nicht und tanken keine neue Energie für die zweite Hälfte des Arbeitstages. Daher meine Empfehlung: Verbringen Sie die Mittagspause unbedingt getrennt von Ihrem gewöhnlichen Arbeitsplatz.

Ich rate Arbeitgebern immer, sich mit dem Thema Essen bzw. Ernährung zu beschäftigen und bei fehlender Kantine auch Alternativen anzubieten. Denn ein finanzieller Zuschuss zum Essen kann durchaus die gesunde Ernährung am Arbeitsplatz fördern.

Digitale Essensmarke Lunchit

Digitale Essensmarken sind eine tolle Alternative zur Kantine und zu den klassischen Papier-Gutscheinen. Arbeitgeber können den gesamten Zuschuss digital verwalten und Mitarbeiter haben die absolute Entscheidungsfreiheit wo sie mittags essen möchten. 

Wie können Arbeitgeber die gesunde Ernährung am Arbeitsplatz fördern?

Da gibt es die verschiedensten Möglichkeiten und Ansätze. Diese reichen von der Obstkiste und Wasser im Büro bis hin zur Optimierung des Kantinenangebots, falls vorhanden. Ich rate Arbeitgebern immer, sich mit dem Thema Essen bzw. Ernährung zu beschäftigen und bei fehlender Kantine auch Alternativen anzubieten. Denn ein finanzieller Zuschuss zum Essen kann durchaus die gesunde Ernährung am Arbeitsplatz fördern. Das vermeintliche Argument, dass eine gesunde Mittagspause zu teuer sei, gilt dann nicht mehr.
Zudem gibt es auch die Möglichkeit, Mitarbeiter gezielt zum Thema Ernährung im Sinne der betrieblichen Gesundheitsförderung weiterzubilden. Beliebte Themen sind z.B.  „Gesund essen bei wenig Zeit“, „Wie Ernährung unser Immunsystem stärken kann“ oder „Gesunde Gewohnheiten, Achtsamkeit und der innere Schweinehund“.

Vielen Dank Frau Glock für die spannenden Erkenntnisse zum Thema Ernährung am Arbeitsplatz!

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