Selbstbestimmtes Arbeiten: Große Freiheit oder großer Frust?

Selbstbestimmtes Arbeiten: Große Freiheit oder großer Frust?

Wie schön wäre doch der Job ohne die fordernde Chefin oder den gnadenlosen Abteilungsleiter. Wie angenehm es doch sein könnte, wenn die unfähige Nerv-Kollegin mit der schrillen Stimme nicht mehr neben einem sitzen oder der Streber aus derselben Abteilung sich einfach in Luft auflösen würde. Könnte man doch nur kommen und gehen, wann man will oder Urlaub machen, solange es Spaß macht, im eigenen Tempo Dinge endlich angehen, die sinnvoll sind, statt Dienst nach Vorschrift abzureißen.

Ist das alles nur ein schöner Traum, der niemals wahr wird oder sind das vielleicht sogar handfeste Gründe, den festen Job zu kündigen und sich selbstständig zu machen?

Letztlich entscheidet das jeder für sich selbst. Doch bevor man den Arbeitsvertrag zerreißt, sollte man Pro und Kontra des selbstbestimmten Arbeitens kennen. Hier eine kleine Entscheidungshilfe:

Selbstbestimmtes Arbeiten: Safety first

Gesund und munter

Kontra:
Solange wir gesund sind, ist alles okay. Doch was, wenn der Selbstständige krank wird? Freelancer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld. Fällt man also krankheitsbedingt aus, fällt damit auch die Einnahme aus. Krankenkassen springen erst ab der siebten Woche ein. Deshalb arbeiten Selbstständige oft trotz Krankheit – und das ist alles andere als gesund. Ein Angestellter kann da sehr viel entspannter genesen.

Pro:
Wer das Risiko kennt, kann sich absichern. Krankenkassen bieten z.B. Zusatzpolicen für Selbstständige an, auch ein angespartes Finanzpolster kann beruhigen. Außerdem kann es auch gesundheitsfördernd sein, aus einem stressigen Job auszusteigen, um im eigenen Tempo selbstständig zu arbeiten.

Kommt Zeit kommt Geld?

Pro:
Selbstständige können sich selbst den Lohn erhöhen, indem sie mehr arbeiten oder bessere Kunden akquirieren. Sie müssen nicht beim Chef um ein paar Euro betteln oder geduldig auf die nächste Gehaltsstufe hinarbeiten. Bekommen sie für einen Auftrag gutes Geld, beziehen sie dieses direkt auf ihre Leistung. Das macht Spaß und stärkt das Selbstwertgefühl.

Kontra:
Nach dem letzten Auftrag ist immer vor dem nächsten Auftrag. Und was, wenn der noch nicht in Aussicht ist? Angestellte müssen einfach nur abwarten, der Lohn wird automatisch überwiesen. Ein Freelancer weiß oft nicht, wie es finanziell im nächsten Monat aussieht. Manchmal muss er unangenehme Honorarverhandlungen führen oder – wenn es die Situation erfordert – auch mal unter Wert arbeiten. Außerdem trägt er alleine alle Nebenkosten.

Selbstbestimmtes Arbeiten: Die Work-Life-Balance

Die große Aufgabe der eigenen Freiheit

Kontra:
Was für Angestellte paradiesisch klingt, ist für Selbstständige oft ein echtes Problem: Sie bestimmen ganz allein, wann sie was tun. Doch genau das ist für viele schwieriger als gedacht. Gerne schiebt man Unangenehmes auf, bleibt doch noch ein paar Minuten länger im Bett als nötig und ist am Abend frustriert, weil man tagsüber nichts geschafft hat. Oder aber man arbeitet lang bis in die Nacht und am Wochenende, weil ein Auftrag fertig werden muss. Das Gefühl eines echten Feierabends fehlt. Freie Tage werden nicht bezahlt und Urlaubsgeld gibt es nicht.

Pro:
Spontan eine Runde Joggen, die Kinder in Ruhe von der Kita abholen, Shoppen, wenn die Geschäfte noch leer sind, im Schlafanzug die ersten Mails checken. Die meisten Freelancer lieben genau diese Freiheiten des selbstbestimmten Arbeitens. Dazu gehört auch, die Urlaubstage nicht von den Kollegen oder dem Chef abhängig machen zu müssen.

Team Einzelkämpfer

Pro:
Keine Reibereien mehr mit Kollegen und Chefs, keine Zeiterfassungssysteme, die einen wahnsinnig machen, alles liegt in unseren eigenen Händen. Haben wir Erfolg, können wir ihn uns getrost selbst zuschreiben. Wollen wir effektiver arbeiten, können wir es einfach tun, ohne zehn Abklärungsrunden gemäß der Firmenhierarchie abwarten zu müssen. Eigene Ideen sind willkommen und werden nicht zerredet. Machen statt fragen, entscheiden statt Bitten – so ist das Team Einzelkämpfer äußerst produktiv.

Kontra:
Verantwortung können Freelancer nicht abgeben, Sündenböcke suchen bringt nichts. Geht etwas schief, haben sie das nur sich selbst zuzuschreiben. Selbstständige können sich nicht an vorgegebenen Strukturen entlang hangeln, sie sind die Struktur. Unter der Last dieser ständigen Selbstverantwortung leiden viele Nicht-Angestellte.

Wir müssen reden

Kontra:
Vielen Selbstständigen fehlt der Teeküchen-Talk. Die kleinen Gespräche zwischen Kollegen stärken den Zusammenhalt und lassen ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem Unternehmen oder zu einem größeren Team entstehen.  Das kann entspannen und sorgt für eine innere Ausgeglichenheit, schließlich ist der Mensch ein soziales Wesen.

Pro:
Man muss ja nicht in Einsamkeit verharren. Auch Freelancer können sich mit anderen Menschen austauschen. Doch sie bestimmen mit wem sie sich treffen. Es gibt jede Menge Netzwerke, Facebookgruppen und Branchenstammtische, die Selbstständige ganz nach Bedarf und Wunsch zur Kontaktpflege und zum Plaudern über den Job nutzen können. Immer beliebter werden auch Coworking Büros, wo auch Selbstständige und Freelancer die Möglichkeiten des Networkings und Austausches nutzen können. Welche Vor- und Nachteile das Arbeiten im Coworking Space hat, erfahren Sie in einem weiteren Magazinartikel.

Selbstbestimmung spielt auch bei Benefits eine wichtige Rolle. Mit Lunchit, der ersten digitalen Essensmarke, können Arbeitgeber das Mittagessen steuerfrei erstatten und die Mitarbeiter können selbst bestimmen, wo und was sie essen möchten. 

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