Digitale Transformation als Glücks-Chance für jeden

Digitale Transformation als Glücks-Chance für jeden

Überall liest man von der Arbeitswelt im Wandel, von den gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen, die die digitale Transformation der Unternehmen mit sich bringt und vom Umdenken, das bei jedem Einzelnen einsetzen muss. Vielen Menschen bereitet das Sorgen. Nicht so Claudia Freund und Wilfried Reiter. Die beiden Unternehmensberater (http://www.freundundreiter.com/) sind spezialisiert auf das Thema Transformation. Sie sehen vor allem die Chancen, die die großen Veränderungen unserer Zeit für jeden Einzelnen und die Unternehmen mit sich bringen. Seit vielen Jahren begleiten sie Persönlichkeiten und Organisationen bei dieser Entwicklung. Carmen Windhaber sprach mit den Experten über die Schatzsuche bei sich selbst, schmerzhafte Lernprozesse und das große Glück des Alltags.

Alle reden von der digitalen Transformation. Was ist das eigentlich und wo begegnet sie Ihnen?

Wilfried Reiter: „Entwicklung ist eine Art von Transformation oder Transformation eine Art von Entwicklung. Entwicklung ist häufig ein Wachstumsprozess oder ein Sterbeprozess. Sie kann auch eine völlige Verwandlung bringen. Und diese Verwandlung, diese Transformation, die stellen wir in Unternehmen fest.“

Was ist die Ursache für die umfassenden Transformationen, denen sich die Unternehmen heute stellen müssen?

Wilfried Reiter: „Die Überwindung von Distanzen führt dazu, dass alle Beteiligten im Unternehmen ihre Aufgaben in Sinn und Zweck neu denken müssen. Ob es auf der Ebene von Physik oder auf der Ebene von Abläufen ist – die Distanzen gehen heutzutage fast überall gegen Null. Beim Unternehmen gegenüber dem Markt ist die Distanz praktisch null, zwischen Produktion und Vermarktung liegt auch keine Distanz mehr. Wenn man die Distanz zwischen den Prozessen und den Mitarbeitern betrachtet, so wird auch diese immer kleiner. Und letztlich werden auch die finanziellen Distanzen – der Begriff Bitcoin steht dafür – geringer. Da findet eine Veränderung statt, von der man wirklich sagen kann: Das ist eine Verwandlung.  Und manchmal stellt es sich so dar, als würde jemand mit dem Zauberstab dastehen wie die gute Fee, die sagt ‚pling‘ und im nächsten Moment scheint alles ganz anders zu sein.“

Wie zeigen sich der digitale Wandel und die Transformation konkret in einem Unternehmen?

Wilfried Reiter: „Nehmen wir zum Beispiel die Entwicklung, was die Produktion angeht. Früher gab es da den Vertrieb, der nahe am Kunden dran war. Hatte der Vertrieb eine Idee, wurde diese in die Entwicklungsabteilung gebracht. Die Entwicklungsabteilung hat sich dann beispielsweise mit der Technik beschäftigt. Es gab also eine starke Lücke zwischen Entwicklung und dem Vertrieb sowie dem Marketing. Heute weiß jede Entwicklungsabteilung wie sich die Zahlen auf dem Markt entwickeln, also braucht man den Vertrieb scheinbar gar nicht mehr. Und natürlich greift das alles auch in die Produktion hinein. Heute kann man ein Kfz, egal von welcher Marke, quasi über eine App maßgeschneidert bestellen, dadurch wird dann ein Produktionsvorgang ausgelöst, der in irgendeiner Fabrik, irgendwo auf dem Planeten zur Fertigung eines Kfz führt. Da sind dermaßen viele Stationen überbrückt, dass es einfach eine massive Verwandlung bedeutet. Die Führungspersönlichkeit in der Fabrik ist viel näher am Ohr des Kunden.“

Wie können Sie diese Unternehmen bei ihrem Wandel unterstützen?

Claudia Freund: „Wir sind Unternehmensberater, die zwei verschiedene Schwerpunkte haben. Mein Mann kommt aus der systemischen Aufstellungsarbeit, ich habe den individuellen Ansatz. Diese Mischung ergänzt sich sehr gut, weil es im Unternehmen immer um den einzelnen Menschen und um die Dynamik im System, in der Organisation geht. Wir begleiten die Entwicklung von Persönlichkeiten und die Unternehmen so, dass es keine Dissonanzen gibt. Alles soll wie ein Zahnrad ineinander greifen: Das Individuum entwickelt sich und kann so sein Potenzial entfalten und das Unternehmen kann dafür den entsprechenden Boden dafür aufbereiten.“

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Wie muss das Management agieren, wie sollte das Unternehmen gestaltet werden, damit es mit dieser Transformation zurecht kommt?

Claudia Freund: „Oft ist es so, dass alte Verhaltensweisen, alte Denkmuster, alte Strukturen wie sie über Jahrzehnte funktioniert haben, nicht mehr funktionieren. Es klappt zum Beispiel nicht mehr, Menschen auf Dauer in Systeme einzuordnen, ohne dass die Menschen sich dabei entwickeln können. Die Menschen werden krank, scheiden aus, sie gehen ins Burnout, bekommen ihre Bandscheibenvorfälle oder sonstiges. Es ist ein Umdenken notwendig. Doch genau dabei stoßen die Menschen an ihre Grenzen. Weil sie oft an ihren Überzeugungen hängen. Insofern ist mein Credo immer: Echte Transformation findet nicht nur außen, sondern in uns selber, in unserem Innern, statt.“

Wie schaffen Sie es, Manager oder auch Mitarbeiter zum Umdenken zu bewegen?

Claudia Freund: „In unserer tagtäglichen Arbeit ist es so, dass wir mit den Menschen an ihren eigenen, inneren Gefängnissen arbeiten. Sie müssen zunächst diese inneren Gefängnisse, die sie über Jahre aufgebaut haben, erkennen. Und sie müssen erkennen, dass sie sie nicht mehr brauchen. Wir finden dann gemeinsam Wege, wie sie ihre eigenen Mauern niederreißen oder Stück für Stück abtragen können und damit neuen Freiraum und neue Möglichkeiten bekommen, zu agieren.“

Wilfried Reiter: „Wir bringen die Menschen eines Unternehmens oder eine Organisation zusammen und lassen sie gemeinsam an den Themen, die da sind, arbeiten. Und zwar wirklich gemeinsam. Wir gehen Wege, die hierarchieübergreifend sind. Grenzen zwischen Abteilungen und Bereichen werden überwunden. Statt nur zu diskutieren, werden die Themen in Dreier- oder Zweiergesprächen ganz persönlich bearbeitet. So entsteht ein Verständnis für die Sichtweise des Gegenübers. Es gibt den Begriff liberating structures. Er bedeutet, dass wir für die Transformation Ordnungen anbieten, die befreien. Und zwar von alten Leitsätzen, von alten Organisationsgrenzen, von alten Werten und Konzepten, mit denen das neue Denken und neue Ergebnisse nicht möglich sind. Das macht Spaß, ist extrem lebendig und führt unglaublich schnell zu Ergebnissen. Doch wenn diese Ergebnisse da sind, muss man dafür sorgen, dass es nicht in die alten Strukturen hineinfällt und mit Sieben wieder hängen bleibt.“

Wie wandlungsfähig sind die Mitarbeiter und das Management? In wieweit hat dort schon eine innere Transformation stattgefunden?

Wilfried Reiter: „Das Bedürfnis nach Veränderung und vor allem nach Gestalten ist bei den Einzelnen extrem groß. Die Sorge irgendwie aus dem Netz rauszufallen, wenn man etwas verändert oder etwas anders ist, allerdings auch. Deshalb gilt es eine gute Balance zu finden zwischen der Erlaubnis, sich selbst und auch Zusammenhänge zu verändern sowie der Gefahr und der Angst vor dem Neuen.“

Wie geht das Management, wie gehen die Mitarbeiter damit um?

Claudia Freund: „Das ist abhängig von ihrer Situation und vom Leidensdruck. Der Gedanke ‚Ich muss was tun, ich muss etwas ändern‘ aktiviert oft ungeahnte Kräfte im Sinne von ‚so mag ich mein Leben nicht mehr leben‘. Menschen erkennen, dass es auch schon anders funktioniert hat und sie haben das Bedürfnis mehr von dieser Qualität zu bekommen.“

Woran hakt es denn dann?

Claudia Freund: „Die größte Schwierigkeit ist es, die eigenen Verhaltensweisen zu ändern oder zu überdenken. Den Veränderungsbedarf beim Anderen sieht man ja leicht, den Veränderungsbedarf bei sich selbst zu erkennen, ist oft schmerzhaft, weil man ihn nicht wahrhaben will. Man lernt leider oft nur durchs Leiden.“

Was kann der einzelne tun, um der Transformation in Unternehmen gewachsen zu sein und nicht in die Knie zu gehen?

Claudia Freund: „Nicht dem Impuls folgen, die Transformation, die Digitalisierung und all diese großen Worte, die jetzt überall in aller Munde sind, als Feind oder Gegner zu sehen. Es sind nur andere Begriffe für eine Veränderung. Es gibt da diesen alten Satz: Das einzig fixe im Leben ist die Veränderung. Die Veränderung jetzt geht vielleicht ein bisschen schneller und verlangt intensiver, dass wir uns darauf einlassen als früher, aber das ist gut so. Ich sehe für jeden große Entwicklungs- und Wachstumschancen.“

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Wilfried Reiter: „Ich glaube, es gibt einen Schmierstoff für Wandlungsfähigkeit und für Transformationsbereitschaft. Das ist Wertschätzung! Und das beginnt mit der Wertschätzung für sich selbst. Wenn wir den Menschen die Chance geben, zu erkennen, welche unglaublichen Kräfte sie noch nicht genutzt haben und wie viel sie bisher bereits geschaffen haben, dann öffnen sie sich für eine Veränderung, für eine neue Ordnung und für neue Formen sehr viel leichter.“

Was bedeutet digitale Transformation für unsere gesamte Gesellschaft?

Wilfried Reiter: „Sie ist eine Herausforderung.“

Claudia Freund: „Man bestellt jetzt die Dinge online, statt irgendwo hinzugehen und jemandem seine Bedürfnisse mitzuteilen. Wenn man will, kann man immer für sich bleiben. Als Gegenpol zu dieser Entfremdung, die gerade im hohen Maße stattfindet, braucht man einfach die Beziehung; denn der Mensch ist ein Beziehungswesen. Es geht nicht darum, mit jedem in der Welt verbrüdert zu sein und einen Freundeskreis von 100.000 Menschen aufzubauen, sondern darum, echte, authentische, wertschätzende, kraftvolle Beziehungen zu leben. Egal ob das im geschäftlichen oder persönlichen Bereich ist. Die Authentizität des Menschen ist nicht austauschbar.“

Wie erkenne ich bei mir selbst, was ich bei mir oder in meinem Leben verändern sollte?

Wilfried Reiter: „Stellen Sie sich folgende Fragen: Lebe ich so, wie ich leben möchte? Arbeite ich so, wie ich arbeiten möchte? Arbeite ich in dem Ausmaß, in dem ich arbeiten möchte? Arbeite ich mit den Menschen, mit denen ich arbeiten möchte?“

Claudia Freund: „Das Leben ist keine Generalprobe. Es findet im Hier und Jetzt statt. Über all den Dingen, die wir glauben zu tun oder erledigen zu müssen, vergessen wir oft, dass der Alltag von Glück gesegnet sein kann. Er muss keine Belastung sein, muss kein Stress sein und er braucht auch keine Last zu sein, die wir auf unseren Schultern tragen. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, was für ein Glück wir haben, dass wir genau an dem Platz sind, an dem wir sind. Wir sollten die Angst ablegen, dass wir irgendwelche schwarzen Löcher oder sonstige Dämonen bei uns entdecken. Stattdessen sollten wir uns auf eine Schatzsuche bei uns selbst begeben, dann wird alles wesentlich fröhlicher.“

Vielen Dank an Frau Freund und Herrn Reiter für das spannende Interview!

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